Amanda-Alhambra

 
 
 
 

Ihr Leben bei uns

 
 

Oftmals ist es nicht so einfach, einem Pferd den rechten Weg zu weisen. Vor allem dann, wenn es schon versucht wurde, und es kläglich scheiterte.

 

So geschah es auch bei Amanda

 

Von alle dem Ahnten wir nichts, als  sie zu uns kam.

 
Da kam sie nun, unser Wunsch-Traumpferd, es sollte ein unvergessener Tag werden, und das wurde er auch, denn wir ahnten nicht, was da alles noch so mit kam, in diesem Hänger.

Bevor Amanda zu uns kam, holte ich schon Erkundigungen ein, schrieb einige Züchter an, um mehr von ihr zu erfahren, wo sie her kommt, wer ihre Vorfahren waren, und noch so einiges was mich interessierte. Anfangs bekam ich auch noch einige Auskünfte, aber dieses sollte sich bald ändern, als sich herausstellte, dass Amanda ein Problempferd ist.

Als Amanda zu uns kam, hatte sie schon einige Stationen bereist, und das in circa einem halben Jahr. Von dort wo sie geboren wurde reiste sie nach Osnabrück, zu einem Züchter, den wir kannten, und ihn zuvor kontaktierten, als wir auf der Suche wahren. Von dort aus reiste sie nach Werne, wo wir sie fanden. Amanda wurde uns als rohes unausgebildetes Pferd angeboten, von dort aus schickten wir Amanda in einen renommierten Fahrstall, um sie als Fahrpferd ausbilden zu lassen. Dort erwies sich Amanda schon als recht schwierig. Auf Grund dessen, nahm ich erneut Kontakt zum Züchter auf, wo sie geboren wurde, bekam aber keine Antwort mehr, also versuchte ich es bei einem anderen Züchter, wo Amandas Mutter geboren wurde. Von ihm bekam ich einige unglaubliche Auskünfte, die mir der eigentliche Züchter verschwieg. Allerdings hatte das nichts mit Amandas Problem zu tun, aber immer hin. Danach kontaktierte meine Schwester den Züchter in Osnabrück, auch er schwieg sich aus. Dann versuchten wir es beim Verkäufer, und das große Schweigen nahm seine Lauf. Zu guter Letzt, schrieb ich einen Züchter im Nachbarland an, denn er hat eine Halbschwester von Amanda, die ,die sie selbe Mutter hatte. Zunächst bekam ich eine knappe Antwort, die viel versprechend schien. Doch mehr kam auch von dort nicht.

 

  Nun standen wir da, mit unserm Talent, und unserer  "Claudia"  hatten selbst 30 Jahre Erfahrung mit Pferden. Aber bei ihr kamen wir nicht weiter, und die Verantwortlichen hüllten sich in Schweigen.
Amanda war ein reines Nervenbündel als sie zu uns kam, ein psychisches Wrack.  Selbst Grund legende Dinge, wie das führen am Strick, Fellpflege, Hufe hoch geben, waren nicht möglich. Sie war durch und durch mit panischer Angst erfüllt. Unbedacht einen Arm heben, brachte sie so in Panik, das so mancher Führstrick riss. Anfangs konnten wir nicht einmal eine leise Unterhaltung führen, wenn wir sie putzten. Unsere " Claudia " war in sich selbst gefangen, ein Zwiespalt im Pferdekörper, der man mit Sicherheit viel Leid angetan hat.

Nun war es unsere Aufgabe diesen Zustand zu ändern, denn vom Grundwesen war sie nicht böse, hatte auch keine Angst vor Autos, LKWs, Treckern, Motorräder oder ähnlichem.   

Also begannen wir wieder ganz von Vorn. Es dauerte Wochen bis wir sie vernünftig putzen konnten, Wochen bis das sie die Hufe gab, und noch länger sie halbwegs vernünftig am Strick zu führen. Als das einigermaßen gut ging, fingen wir mit Bodenarbeit an, bauten einen Spielparcour auf, und  bemerkten dabei, das es ihr viel Spaß machte, sie arbeitete sehr gut mit, so das wir guter Dinge waren. Jedes Mal übten wir Grundgehorsam, und bauten diese Übungen in den verschiedensten Lektionen ein. Respekt war und ist immer noch ein Thema, das sie gerne vergisst.
Und er, der Vermieter unserer  Pferdeboxen, beobachtete die Situation schon lange. Ein pensionierter Bauer der sein ganzes Leben mit Pferden zu tun hatte, und selbst schon Pferde sein eigen nannte, an denen keiner mehr glaubte, und auf Grund derer Gefährlichkeit zum Schlachter sollten. Er erzählte uns von eines dieser Pferde, auch das er es geschafft hatte, mit diesem Pferd zu guter Letzt an einem Turnier teil genommen zu haben.

Er glaubte an Amanda, und wir baten ihn, uns zu unterstützen. Und das tat er auch. Als er mit ihr anfing zu Arbeiten kam das ganze Desaster erst zum Vorschein. Auch er konnte es nicht fassen, wie man ein junges Pferd so dermaßen behandelt, das es so wird. Er war sich ganz sicher, sollte jemals einer dieser Verantwortlichen auf seinen Hof kommen, so würde er ihn von Hof jagen.

Immer wenn er Zeit hatte nahm er sich ihrer an, zeigte uns, was und wie, wir das machen sollten. Denn auch wir wollten unseren Beitrag leisten. Es vergingen Wochen nein Monate, bis endlich etwas Struktur ins Pferd kam, aber wir hatten noch einen sehr langen Weg vor uns, denn Amanda sollte ein Kutschpferd werden. Jede Kleinigkeit mussten wir lange mit ihr üben, jede auch nur so geringste Veränderung im Training benötigte von uns neue Ideen ihr das schmackhaft zu machen, oder sie zu überlisten diesen nun doch zu tun. Wir bauten alles in den Übungen meist erst versteckt ein, um es dann später offensichtlich zu trainieren. Immer dann wenn wir nicht weiter kamen, diese Tage gab es nur zu genüge, 3 Schritte nach vorn, 2 Schritte wieder zurück, kam unser Held, und zeigte wie es ging.  
So langsam wurde es Zeit Amanda in die Kunst des Reitens einzuführen. Dazu nahm unser Pferdeflüsterer die Hilfe einer seiner Töchter in Anspruch. Er bereitete Amanda gut vor, longierte sie  bis sie bereit war. Dann war es so weit, seine Tochter setzte ihren Fuß in den Steigbügel, verblieb so etwas, um sich dann langsam und behutsam in den Sattel zu setzen. Sie saß noch nicht ganz im Sattel, da  war sie auch schon wieder unten. Amanda schoss vor panischer Angst nach vorn, sie zitterte am ganzen Körper und lief der Angst davon. Mehrfach hat sie es versucht, Amanda davon zu überzeigen das es doch gar nicht so schlimm ist, und ihr niemand etwas böses tut. Zu guter Letzt war seine Tochter von oben bis unten grün und blau, die Knochen taten weh, und der Mut hatte sie verlassen.

Zwei Wochen danach hatte ich das vergnügen, und wir gingen auf ein grade frisch gepflügtes Feld. Er bereitete Amanda wieder vor, bis es so weit war. Ich setzte den Fuß in den Steigbügel und setzte mich in den Sattel, und tat genau das was mir gesagt wurde. Amanda schoss wieder nach vorn, um dem Feind auf ihren Rücken zu entkommen. Sie zitterte am ganzen Körper, war ganz verspannt, und nicht mehr Herr ihrer Sinne. Ich habe noch nie auf so etwas gesessen, ein Pulverfass das drohte jeden Moment zu explodieren, und doch bewahrte ich einen kühlen Kopf, und tat das was mir gesagt wurde, in der Mähne gut festhalten, und drauf bleiben, egal wie. Nur gut das unser Bauer genau wusste was er tut, wir haben uns vertraut, und diese Übung ohne Sturz oder  einem Desaster nach einer halben Stunde beenden können. Nach einer weiteren Übung auf den Feld haben wir das auf dem Reitplatz wiederholt. Es ging schon etwas besser, und wir waren guter Dinge. Doch dann musste ich aus gesundheitlichen Gründen pausieren, und der Winter stand vor der Tür.   

Nun übten wir schon ein Jahr mit ihr, und so einiges hatte sie bisher gelernt, Hufe gibt sie von ganz allein, ruhig stehen bleiben beim Putzen kann sie, Sattel und Geschirr auflegen klappt, Longieren kann sie, sie lässt auch mehr Nähe zu, und fängt an, sich uns gegenüber zu öffnen. Dann kam die Doppellonge, und sie fand es gar nicht gut. Wieder dauerte es Monate bis das bedingt klappte, und schon wieder kam der Winter, und sie hatte Winterpause, zumindest dachten wir es. In diesem Winter sollte sich so einiges ändern, denn unser, ( ich nenne ihn einfach mal so) Held , schmiedete Pläne Amanda anspannen zu wollen. Dazu traf er so einige Vorkehrungen, und bastelte in seiner Werkstadt das passende Zubehör, das Amanda zunächst erst auf dem Reitplatz ziehen sollte. Nachdem diese ersten Übungen gut verliefen schmiedete er neue Pläne.
Er holte seinen besten Freund mit ins Boot, der hatte ein Friesengespann, mit einer alten sehr erfahrenen Stute. Dieser Freund kam mit seinen beiden Friesen, und Amanda sollte neben der erfahrene Stute  angespannt werden. Wie immer bereitete er Amanda vor, dann war es so weit. Das war eine Katastrophe, Amanda hatte wieder panische Angst, und machte den beiden Männern das Leben richtig schwer. Denn noch schafften sie es Amanda vor den Wagen neben der Friesenstute an zu spannen, und sie fuhren los. Dank derer Erfahrung kamen sie alle   unverletzt und ohne dramatische Zwischenfälle wieder zurück. Diese Übung wiederholten sie mehrfach, bis sie dann entschlossen Amanda vor ihrem Wagen allein an zu spannen. Und wieder war es für Amanda fremd, und wieder war es sehr schwierig sie an zu spannen. Sie fuhren los, und Amanda lief und lief, und lief, immer der Angst davon. Seinem Freund war das nicht geheuer, und deutete schon an, das nicht mehr machen zu wollen, doch unser "er" glaube immer noch an Amanda. Also machte er allein weiter. Immer wieder spannte er sie an, fuhr mit ihr über Felder, Wiesen, und auch Straßen, bis er uns einlud mit zu fahren. Dieses Bild zeigt unsere erste Kutschfahrt mit Amanda und mit Ihm. 

Er hat es geschafft, was keiner mehr für möglich hielt.  

Aber Amanda kann mehr, so der feste Glaube unseres Pferdeflüsterers. Zeitgleich entdeckte seine zweite Tochter ihre liebe zu Amanda, und sie stieg ein in unser gemeinsames Boot. Sie eroberte ihr Herz, und gemeinsam mit ihren Vater feilten sie weiter an ihrer Reitausbildung. Sie hat auch das gewisse Etwas, genau wie ihr Vater, und gemeinsam haben sie auch diese  Hürde genommen. Immer wenn sie Zeit hat, übt sie mit Amanda, und es ist so schön den Beiden zu zu sehen, wie sie mit einander umgehen, wie sie anfangen sich zu vertrauen, und vor allem, wie so nach und nach die  panische Angst, die in Amanda wohnte, in Vergessenheit gerät.

Diese Aufnahme zeigt sie, nach nur wenigen Übungseinheiten. Beide sind entspannt und freuen sich , sich gefunden zu haben. Der Anfang ist gemeistert, nun geht es weiter auf das Amanda ihre Angst und das unschöne vergangene  irgendwann ganz vergessen kann. 

Mittlerweile sind genau 2 Jahre vergangen, in denen wir immer wieder unsere Grenzen haben neu stecken müssen, sehr viel dazu gelernt haben , oft Endtäuschungen haben  erleben müssen, viel Geduld ,und auch Geld haben investiert müssen.

Wir haben an Amanda geglaubt, ihr die Chance gegeben, und sie verwandeln können, was die Verantwortlichen verdorben haben.

Das hätte so nicht sein müssen.

 

Auf dem Foto, die erste alleinige Kutschfahrt auf einem Feld ,nach zwei Jahren intensiven Trainings. 

Wir alle sind sehr glücklich diese anstrengende Reise mit Amanda, unserer " Claudia" genau so gegangen zu sein.

Wir glauben an sie,

aber

nicht mehr an Menschen

die Heiligenscheine zu unrecht tragen.

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 

Anno 01.09.2017